Vegetarierstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums

Untersuchungsziel der Heidelberger Vegetarierstudie war der Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und Sterblichkeit (also wie lange man lebt und in welchem Alter und wie die Menschen sterben) bei gesundheitsbewusst lebenden Menschen (Menschen die sportlich aktiv sind, sich vorwiegend vollwertig ernähren, nicht rauchen und kaum Alkohol konsumieren). Dazu wurden von 1978 bis 1999 rund 1.900 Teilnehmer (davon etwa 1.200 Vegetarier und Veganer) untersucht.

Die Studiengruppe war aufgrund ihrer gesundheitsbewussten Ernährungs- und Lebensweise nicht repräsentativ für die deutsche Allgemeinbevölkerung, d.h. die Gruppe hat deutlich gesünder gelebt als der „Durchschnittsdeutsche“. So hatten die Teilnehmer selten Übergewicht, rauchten weniger und die Nichtvegetarier verzehrten weniger Fleisch, aber mehr Gemüse und Obst als die Durchschnittsbevölkerung.

Nach über 20 Jahren zeigte sich sowohl bei den Vegetariern als auch den Nichtvegetariern eine deutlich geringere Sterberate als in der deutschen Durchschnittsbevölkerung. Zwischen den beiden Gruppen gab es keine signifikanten Unterschiede bei der Gesamtsterblichkeit.

Die Vegetarier hatten jedoch ein etwa 30 % geringeres Risiko, an einer ischämischen Herzkrankheit (z. B. Herzinfarkt) zu sterben. Während ein häufiger Verzehr von Gemüse, Obst und Nüssen in dieser Studie keinen Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit hatte, erhöhte sich mit steigendem Konsum von Fleisch, Wurst und Fisch das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. 1

Woran kann es liegen, dass die Veganer und Vegetarier nicht deutlich besser abschnitten?

Dr. Michael Greger, Autor des Buches „How Not To Die“ ging der Sache auf den Grund und kam zu folgenden Erkenntnissen:

Oxford Vegetarian Study

An der von 1980 bis 2000 durchgeführten Studie nahmen rund 11.000 Probanden teil, davon etwa 4.700 Vegetarier (davon waren 470 also 10 % Veganer). Hauptuntersuchungsziel war die Sterblichkeit von Vegetariern und Veganern insbesondere an kardiovaskulären Erkrankungen und ernährungsassoziierten Krebsarten (u. a. des Verdauungssystems und der Brust) im Vergleich zur nichtvegetarisch lebenden Kontrollgruppe. Beide Untersuchungsgruppen wiesen eine nur etwa halb so hohe Sterberate wie die Durchschnittsbevölkerung in England und Wales auf. Dieses Ergebnis wurde erwartet, da es sich bei den Teilnehmern um allgemein gesundheitsbewusstere (oben bereits definiert) Menschen handelte.

Die Daten zeigten, dass sich mit steigendem Konsum tierischer Lebensmittel die Blutspiegel an Gesamt- und LDL-Cholesterin erhöhten. Daraus wurde berechnet, dass das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, bei lebenslangen Vegetariern 24 % und bei lebenslangen Veganern 57 % niedriger liegt als bei Fleischessern. Auch das Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhte sich mit zunehmendem Konsum von Fleisch, Fisch, Käse, Eiern und tierischen Fetten 8größtenteils gesättigten Fettsäuren). Teilnehmer, die gar kein oder seltener als einmal pro Woche Fleisch verzehrten, hatten eine um 20 % niedrigere Gesamtsterblichkeit (lebten länger) und eine 28 % niedrigere Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Fleischesser.2

UK Women’s Cohort Study

In der Studie wurde bei mehr als 35.000 Frauen (Alter 35-69 Jahre) der Zusammenhang zwischen verschiedenen Ernährungsmustern und Krebs untersucht. Unter den Teilnehmerinnen waren etwa 24.700 Fleischesserinnen, 4.200 Fischesserinnen und 6.500 Vegetarierinnen. Die Probandinnen lebten gesundheitsbewusster als die britische Durchschnittsbevölkerung (bereits oben definiert). Begonnen wurde die Untersuchung 1995, die durchschnittliche Beobachtungsdauer betrug 9 Jahre.

Insgesamt 783 Teilnehmerinnen erkrankten in dieser Zeit an Brustkrebs. Bei postmenopausalen (die Postmenopause sind die 10 Jahre nach der letzten Periodenblutung) Frauen zeigte sich ein deutlich verringertes Brustkrebsrisiko für Fischesserinnen (− 40 %) und ein leicht verringertes Risiko für Vegetarierinnen (− 15 %) – jeweils im Vergleich zu Fleischesserinnen. Bei Frauen vor der Menopause gab es hinsichtlich der Ernährungsweise keinen Unterschied beim Brustkrebsrisiko. Steigender Konsum von Fleisch und Fleischprodukten erhöhte jedoch bei Frauen aller Altersgruppen das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Fazit: Weniger tierische Produkte in der Ernährung bei Frauen führt tendenziell zu weniger Brustkrebs. 3,4

EPIC Oxford Study

In der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) wird seit 1993 der Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und dem Auftreten chronischer Krankheiten, insbesondere Krebs, sowie der Sterblichkeit (oben bereits definiert) untersucht. Mit über einer halben Million Teilnehmern in 10 europäischen Ländern, verteilt auf 23 Untersuchungszentren, ist sie eine der weltweit größten epidemiologischen Studien. In der Oxford-Kohorte (EPIC-Oxford) werden Vegetarier und Nichtvegetarier aus ganz Großbritannien untersucht, eingeteilt in vier Gruppen (etwa 34.000 Fleischesser, 10.000 Fischesser, 19.000 Lakto-Ovo-Vegetarier und 2.600 Veganer). Die Altersspanne der Teilnehmer liegt zwischen 20 und 97 Jahren, der Frauenanteil beträgt etwa 77 %. Follow-ups fanden nach 5, 10 und 15 Jahren Beobachtungszeit statt.

3. Die wichtigsten Ergebnisse bisher und Fazit

  • Der BMI steigt von Veganern über Lakto-Ovo-Vegetarier, Fischesser und Selten-Fleischesser bis hin zu den Fleischessern kontinuierlich an.15

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  • Ein ebenso steigender Trend zeigte sich für die Blut-Cholesterinwerte sowie das Risiko für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Metabolisches Syndrom.15
  • Das Diabetesrisiko von Veganern und Lakto-Ovo-Vegetariern war halb so hoch wie das der Fleischesser.15
  • Veganer hatten im Vergleich zu Fleischessern ein 50 % niedrigeres, Lakto-Ovo-Vegetarier ein etwa 15 % niedrigeres Risiko für Bluthochdruck.16
  • Bei Lakto-Ovo-Vegetariern zeigte sich ein geringfügig niedrigeres Gesamt-Krebsrisiko (− 7 %) gegenüber Nichtvegetariern, bei Tumoren des Verdauungstrakts lag das Risiko von Lakto-Ovo-Vegetariern 24 % niedriger.17
  • Veganer wiesen ein um 16 % niedrigeres Risiko für alle Krebsarten auf und ein 34 % niedrigeres Risiko für frauenspezifische Krebsarten.17
  • Veganer und Lakto-Ovo-Vegetarier nahmen weniger gesättigte Fettsäuren auf, verzehrten mehr Gemüse und Obst sowie Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index (wie Hülsenfrüchte und Nüsse)
  • Veganer und Lakto-Ovo-Vegetarier schliefen mehr Stunden pro Nacht und wiesen einen geringeren TV-Konsum auf.18

Bisheriges Fazit ist also:

Verschiedene groß angelegte Studien haben wertvolle Erkenntnisse geliefert, wie sich vegetarische und vegane Ernährungsformen auf die Gesundheit auswirken. Demnach weisen Vegetarier und Veganer ein deutlich geringeres Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen auf. Dies gilt v. a. für Übergewicht, Diabetes Typ 2, Osteoporose, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie für bestimmte Krebsarten. Vegetarisch-vegan lebenden Menschen haben außerdem eine höhere Lebenserwartung und eine etwa halb so hohe Sterblichkeitsrate wie die Allgemeinbevölkerung.

Warum diese Studien nicht deutlicher ausgefallen sind, wird unter Punkt Kardiovaskuläre Krankheiten und Veganismus klar, denn die Vorteile die es mit sich bringt kaum Cholesterin und Fett zu konsumieren reichen nicht aus um Herzkrankheiten ausreichend zu bekämpfen. Viele Veganer haben auf Grund mangelnden B12 einen erhöhten Homocysteinwert und aufgrund zu viel Omega 6 haltigen Lebensmittel welches beides Faktoren für Entzündungen und Schäden in den Blutbahnen sind welche ebenfalls zu massiven Kardiovaskulären Problemen führen können. Belege und Studien hierfür unter Kapitel Kardiovaskuläre Krankheiten.

Literatur

1 Chang-Claude J, Hermann S, Eilber U, Steindorf K (2005): Lifestyle determinants and mortality in German vegetarians and health-consious persons: results of a 21-year follow-up. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 14 (4), 963-8

2 Appleby PN, Thorogood M, Mann JI, Key TJ (1999): The Oxford Vegetarian Study: An overview. Am J Clin Nutr 70 (3 Suppl), 525S-531S

3 Cade JE, Taylor EF, Burley VJ, Greenwood DC (2010): Common dietary patterns and risk of breast cancer: analysis from the United Kingdom Women’s Cohort Study. Nutr Cancer 62 (3), 300-6

4 Taylor EF, Burley VJ, Greenwood DC, Cade JE (2007): Meat consumption and risk of breast cancer in the UK Women’s Cohort Study. Br J Cancer 96 (7), 1139-46

5 Key TJ, Appleby PN, Spencer EA, Travis RC, Roddam AW, Allen NE (2009): Mortality in British vegetarians: results from the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC-Oxford). Am J Clin Nutr 89 (5), 1613S-1619S

6 Crowe FL, Appleby PN, Travis RC, Key TJ (2013): Risk of hospitalization or death from ischemic heart disease among British vegetarians and nonvegetarians: results from the EPIC-Oxford cohort study. Am J Clin Nutr 97 (3), 597-603

7 Spencer EA, Appleby PN, Davey GK, Key TJ (2003): Diet and body mass index in 38 000 EPIC-Oxford meat-eaters, fish-eaters, vegetarians and vegans. Int J Obes Relat Metab Disord 27 (6), 728-34

8 Appleby PN, Davey GK, Key TJ (2002): Hypertension and blood pressure among meat eaters, fish eaters, vegetarians and vegans in EPIC-Oxford. Public Health Nutr 5 (5), 645-54

9 Key TJ, Appleby PN, Spencer EA, Travis RC et al. (2009): Cancer incidence in vegetarians: results from the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC-Oxford). Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1613S-1619S

10 Appleby P, Roddam A, Allen N, Key T (2007): Comparative fracture risk in vegetarians and nonvegetarians in EPIC-Oxford. Eur J Clin Nutr 61 (12), 1400-6

11 Crowe FL, Steur M, Allen NE, Appleby PN et al. (2010): Plasma concentrations of 25-hydroxyvitamin D in meat eaters, fish eaters, vegetarians and vegans: results from the EPIC-Oxford study. Public Health Nutr 14 (2), 340-6

12 Appleby PN, Allen NE, Key TJ (2011): Diet, vegetarianism, and cataract risk. Am J Clin Nutr 93 (5), 1128-35

13 Davey GK, Spencer EA, Appleby PN, Allen NE et al. (2003): EPIC-Oxford: lifestyle characteristics and nutrient intakes in a cohort of 33 883 meat-eaters and 31 546 non meat-eaters in the UK. Public Health Nutr 6 (3), 259-69

14 Gilsing AM, Crowe FL, Lloyd-Wright Z, Sanders TA et al. (2010): Serum concentrations of vitamin B12 and folate in British male omnivores, vegetarians and vegans: results from a cross-sectional analysis of the EPIC-Oxford cohort study. Eur J Clin Nutr 64 (9), 933-9

15 Tonstad S, Butler T, Yan R, Fraser GE (2009): Type of vegetarian diet, body weight, and prevalence of type 2 diabetes. Diabetes Care 32 (5), 791-6, 2009

16 Pettersen BJ, Anousheh R, Fan J, Jaceldo-Siegl K, Fraser GE (2012): Vegetarian diets and blood pressure among white subjects: results from the Adventist Health Study-2 (AHS-2). Public Health Nutr 15 (10), 1909-16

17 Tantamango-Bartley Y, Jaceldo-Siegl K, Fan J, Fraser G (2013): Vegetarian diets and the incidence of cancer in a low-risk population. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 22 (2), 286-94

18 Rizzo NS, Sabaté J, Jaceldo-Siegl K, Fraser GE (2011): Vegetarian dietary patterns are associated with a lower risk of metabolic syndrome: the adventist health study 2. Diabetes Care 34 (5), 1225-7